Monatlicher Marktrückblick: Juli 2022

Investment Insights Team, Investment Strategist Team, Wealth Management

Rückblick: Gewinne bei Aktien und Anleihen

Die Kapitalmärkte erholten sich im Juli leicht: Die weltweiten Aktienkurse stiegen um 7,0%, nachdem sie im Vormonat ein Jahrestief erreicht hatten. Auch die weltweiten Staatsanleihen stiegen um 1,9% (jeweils in US-Dollar). Wichtige Themen waren:

  • Die Fed setzte ihren Zinserhöhungszyklus fort - und die EZB begann ihn.
  • Langsamere Wachstumsdynamik, während die Inflation neue Höchststände erreicht.
  • Chinesische Aktien underperformten, da der Immobilienmarkt unter Druck bleibt.

Trotz anhaltender globaler Wachstums- und Inflationssorgen hat die Volatilität im Juli nachgelassen. US-Aktien gewannen mehr als 9%, angetrieben von einem starken Anstieg der "Wachstums"-Technologiewerte. Die geopolitischen Bedenken hielten an: Eine Verhandlungslösung für ukrainische Getreideexporte wurde von einem russischen Angriff überschattet und die reduzierten Gaslieferungen durch Nord Stream 1 wurden noch weiter eingeschränkt. Der Ölpreis (Brent) fiel im Juli um 4,2% auf 110 USD/Barrel und auch einige Industriemetalle hatten weiter zu kämpfen, wobei Kupfer um 3,9% fiel. Gold gab um 2,3% nach, sank aber kurzzeitig unter die Marke von 1.700 USD/Unze.

USA: Rezessionsrisiken; Fed hebt Leitzinsen um 0,75% an

Die US-Wirtschaft geriet im zweiten Quartal in eine technische Rezession, da das reale BIP um 0,2% (nicht annualisiert) sank. Die Wachstumssorgen drückten die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen auf 2,65%: Der Abstand zur Rendite 2-jähriger Anleihen war (erneut) negativ und erreichte den niedrigsten Stand seit 2000. Die US-Notenbank setzte ihren Zinserhöhungszyklus fort und erhöhte ihren Leitzins um weitere 75 Basispunkte auf 2,25% bis 2,5%, nachdem die Inflationsrate im Juni mit 9,1% (ggü. Vorjahr) ein neues Hoch erreicht hatte. Im Capitol Hill scheint die Verhandlung um den "Inflation Reduction Act of 2022" (Fokus auf Steuern, Energie und Klimawandel) im Vorfeld der Zwischenwahlen an Dynamik zu gewinnen. Die Berichtssaison läuft gut, da bislang drei Viertel der Unternehmen die Gewinnerwartungen übertroffen haben (Stand: 29. Juli).

Europa: Wachstum hält an; EZB erhöht die Zinsen; Draghi tritt zurück

Die Wirtschaft des Euroraums wuchs im zweiten Quartal um 0,7%, obwohl der Einkaufsmanagerindex für Juli in den Bereich der Schrumpfung fiel. Die Inflation erreichte in der Eurozone (8,9%), im Vereinigten Königreich (9,4%) und in der Schweiz (3,4%) neue Höchststände. Die EZB hob ihren Einlagensatz mit 50 Basispunkten stärker als erwartet auf 0% an - ihre erste Leitzinserhöhung seit 2011. Außerdem stellte sie ihr "Transmissionsschutzinstrument" (TPI) vor, das eine Ausweitung der Kreditkosten in der Peripherie verhindern soll. Der Euro fiel kurzzeitig unter die Parität gegenüber dem US-Dollar bevor er sich wieder etwas erholte. Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen erreichte 240 Basispunkte und übertraf damit fast den Höchststand vom Juni. Mario Draghi trat als italienischer Premierminister zurück (Neuwahlen Ende September), während der wachsende Druck den britischen Premierminister Boris Johnson dazu zwang zurückzutreten (ab Anfang September).

Übrige Welt: China-Risiken; PBoC interveniert; Abe-Tragödie

Chinesische Aktien entwickelten sich im Juli unterdurchschnittlich: der CSI 300 und der Hang Seng fielen um 6,3% bzw. 7,3%. Die Sorgen um den Immobilienmarkt standen angesichts von Protesten gegen Hypotheken und Zahlungsausfällen von Bauträgern wieder im Fokus. Als Reaktion darauf kündigte Peking die Mobilisierung von Krediten in Höhe von 148 Mrd. USD für ins Stocken geratene Immobilienprojekte an: Die Banken werden Kredite der PBoC zur Refinanzierung von Immobilienprojekten nutzen. In Japan wurde der ehemalige Premierminister Shinzo Abe auf tragische Weise ermordet.

Wertentwicklung per 29.07.2022 (in lokaler Währung)

Anleihen Rendite 1 Monat Seit 1.1.
USA 10 Jahre 2,65% 3,1% -8,0%
UK 10 Jahre 1,86% 3,2% -5,5%
CH 10 Jahre 0,44% 4,8% -3,2%
DE 10 Jahre 0,81% 5,0% -7,0%
 IG global (hdg $) 3,89% 3,4% -10,0%
 HY global (hdg $) 8,59% 4,5% -11,4%
Aktienindizes Kurs 1 Monat Seit 1.1.
MSCI World($) 332 7,0% -14,6%
S&P 500 4.130 9,2% -12,6%
MSCI UK 13.575 3,5% 5,3%
SMI 11.146 3,8% -11,1%
Eurostoxx 50 3.708 7,5% -11,2%
DAX 13.484 5,5% -15,1%
CAC 6.449 9,0% -7,4%
Hang Seng 20.157 -7,3% -11,8%
MSCI EM ($) 500 -0,2% -17,8%
Währungen (handelsgewichtet) 1 Monat Seit 1.1.
US-Dollar 0,6% 6,3%
Euro -0,8% -2,8%
Japanischer Yen 2,9% -9,9%
Britisches Pfund 1,7% -2,1%
Schweizer Franken 1.6% 4,1%
Chinesischer Yuan 0,2% 1,4%

 

Rohstoffe Kurs 1 Monat Seit 1.1.
Gold ($/Unze) 1,766 -2,3% -3,5%
Brent ($/Barrel) 110,01 -4,2% 41,4%
Kupfer ($/Tonne) 7,931 -3,9% -18,6%

Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co.

Aktienmarkt Indizes

(Wertentwicklung seit 1.1.2022; in lokaler Währung)

C12996 - Monthly Market Summary - July - Graphs_GE.jpg

Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co., 1.1.2022 – 29.072022

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