Demografie und Verschuldung: Warum struktureller Pessimismus fehl am Platz ist
Alterung bedeutet nicht zwangsläufig wirtschaftliche Schwäche
Wenn über die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung gesprochen wird, wird dies häufig als Belastung zukünftiger Generationen dargestellt – insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung von Renten. Nach meiner Einschätzung greift diese Sichtweise jedoch zu kurz. Die Güter und Dienstleistungen, die Ruheständler konsumieren, werden immer von der jeweils aktiven Erwerbsbevölkerung produziert. Entscheidend ist daher weniger das Durchschnittsalter einer Gesellschaft, sondern ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
Eine alternde Volkswirtschaft steht im Kern vor zwei Optionen: Sie muss entweder stärker umverteilen – oder produktiver werden. Ersteres ist eine politische Frage. Zweiteres ist eine ökonomische – und meine Antwort, zumindest für die großen Industriestaaten, lautet eindeutig: Ja, wir können wachsen.
Auch führt eine alternde Gesellschaft nicht zwangsläufig zu Arbeitskräftemangel. Erwerbsquoten, Arbeitszeiten, das Renteneintrittsalter und die Arbeitslosigkeit sind veränderbare Größen. Es geht nicht um die reine Anzahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter, sondern um das Verhältnis von Nicht-Erwerbstätigen zu Erwerbstätigen. Schon moderate Anpassungen können hier große Wirkung entfalten. In den großen Volkswirtschaften – den USA, Großbritannien und der EU – besteht weiterhin Spielraum, um Engpässe am Arbeitsmarkt zu vermeiden, sofern die politischen Rahmenbedingungen stimmig sind.
Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen bleibt regimeabhängig – Flexibilität und taktische Allokation sind wichtiger als starre Strategien.
Nicht die Demografie entscheidet – sondern Produktivität
Selbst wenn das Potenzial an Arbeitskräften vollständig ausgeschöpft wäre, entsteht der Großteil langfristigen Wachstums aus Produktivitätsgewinnen. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich das globale Produktivitätswachstum zwar verlangsamt, doch von Stillstand kann keine Rede sein. In einigen Ländern – etwa den USA – sehen wir zuletzt klare Stabilisierungs- oder sogar Aufwärtstendenzen.
Innovation bleibt dabei der zentrale Faktor. Ich bin zwar skeptisch, ob Künstliche Intelligenz allein den großen, oft beschworenen Produktivitätsschub auslösen wird. Aber wir haben zahlreiche weitere Innovationsfelder – besonders rund um die Energiewende –, die enormes Potenzial bieten. Neue Technologien haben in der Vergangenheit zwar kurzfristig Beschäftigungsstrukturen verändert, langfristig aber immer zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
Warum hohe Schulden nicht automatisch gefährlich sind
Auch beim Thema Staatsverschuldung plädiere ich für mehr Differenzierung. Die makroökonomische Bedeutung von Schulden wird häufig überschätzt. Seit Aufhebung des Goldstandards 1971 lässt sich beispielsweise nur ein geringer Teil des langfristigen US-Konsumwachstums direkt auf zusätzliche Kreditaufnahme zurückführen – gemessen am Rückgang der Sparquote im selben Zeitraum.
Natürlich ist leichtfertige staatliche Kreditaufnahme nicht erstrebenswert. Doch Schuldenquoten allein sagen wenig über die Tragfähigkeit eines fiskalischen Systems aus. Selbst eine Schuldenquote von 100 Prozent muss nicht zwangsläufig in eine Schuldenspirale führen. Über Jahrzehnte hinweg können bereits kleine Unterschiede im Wachstums- oder Ausgabenpfad darüber entscheiden, ob eine Schuldenquote sich verdoppelt – oder langsam sinkt. Voraussetzung dafür sind konsistente politische Rahmenbedingungen.
Finanzkrisen sind in der Regel Liquiditätskrisen
Ein weiterer Aspekt ist mir wichtig: Finanzkrisen sind normalerweise keine gesamtwirtschaftlichen Insolvenzen, sondern Liquiditätsengpässe im Finanzsystem. Einzelne Institute können in Schieflage geraten, mögliche Gegenparteien werden unter Druck gesetzt, und es entsteht ein liquiditätsgetriebener Dominoeffekt – wie 2008. Doch das bedeutet nicht, dass eine gesamte Volkswirtschaft insolvent wäre.
In solchen Phasen haben Zentralbanken bisher stets zusätzliche Liquidität bereitgestellt – und können dies auch künftig tun, sofern ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit erhalten bleibt. Früher basierte diese Glaubwürdigkeit auf der Goldkonvertibilität von Währungen. Heute basiert sie auf institutioneller Stärke – stabilen Regierungen und unabhängigen Zentralbanken.
Weder demografische Alterung noch hohe Schuldenquoten bedeuten zwangsläufig wirtschaftlichen Niedergang oder dauerhaft niedrige Kapitalmarktrenditen.
Geld und Kredit entstehen im modernen Bankensystem nachfragegetrieben und sind oft zwei Seiten derselben Medaille. Missbrauch dieser Mechanismen kann zu Inflation führen, keine Frage. Doch weder die expansiven Maßnahmen der 2000er-Jahre noch die geldpolitischen Reaktionen auf die Krisen 2008 oder im Euroraum führten unmittelbar zu dauerhaft hoher Inflation. Die Inflationsphase nach der Pandemie war absehbar und ist bislang beherrschbar geblieben. Eine Rückkehr zum Goldstandard wäre weder praktikabel noch wünschenswert.
Anpassungsfähigkeit schlägt strukturellen Fatalismus
Weder demografische Alterung noch hohe Schuldenquoten bedeuten zwangsläufig wirtschaftlichen Niedergang oder dauerhaft niedrige Kapitalmarktrenditen. Entscheidend sind Produktivität, institutionelle Stabilität und die Fähigkeit von Politik und Wirtschaft, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
Volkswirtschaften sind nach meiner Überzeugung deutlich anpassungsfähiger, als viele strukturelle Pessimisten annehmen.
Für Anleger bedeutet das: Schlagworte wie Überalterung oder Schuldenexplosion helfen nicht weiter. Entscheidend ist die Frage, wie innovationsfähig, flexibel und institutionell robust eine Volkswirtschaft tatsächlich ist.
Wichtige Informationen
Bei dieser Information handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Bei diesem Dokument und bei Referenzen zu Emittenten, Finanzinstrumenten oder Finanzprodukten handelt es sich nicht um eine Anlagestrategieempfehlung im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 34 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 oder um eine Anlageempfehlung im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 jeweils in Verbindung mit § 85 Absatz 1 WpHG. Als Marketingmitteilung genügt diese Information nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen und Anlagestrategieempfehlungen und unterliegt keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlageempfehlungen und Anlagestrategieempfehlungen. Diese Information soll Ihnen Gelegenheit geben, sich selbst ein Bild über eine Anlagemöglichkeit zu machen. Diese Information stellt keine rechtliche, steuerliche oder individuelle finanzielle Beratung dar und ersetzt auch keine rechtliche, steuerliche oder individuelle finanzielle Beratung. Ihre Anlageziele sowie Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Wir weisen daher ausdrücklich darauf hin, dass diese Information keine individuelle Anlageberatung darstellt. Eventuell beschriebene Produkte oder Wertpapiere sind möglicherweise nicht in allen Ländern oder nur in bestimmten Anlegerkategorien zum Erwerb verfügbar. Diese Information darf nur im Rahmen des anwendbaren Rechts und insbesondere nicht an Staatsangehörige der USA oder dort wohnhafte Personen weitergegeben werden. Diese Information wurde weder durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft noch durch andere unabhängige Experten geprüft.
Wichtiger Hinweis: Aufgrund positiver Performance in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden. Soweit in diesem Dokument zukunftsgerichtete Erklärungen enthalten sind, stellen diese die Beurteilung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Marketingmitteilung dar. Zukunftsgerichtete Erklärungen beinhalten wesentliche Elemente subjektiver Beurteilungen und Analysen sowie deren Veränderungen und/oder die Berücksichtigung verschiedener, zusätzlicher Faktoren, die eine materielle Auswirkung auf die genannten Ergebnisse haben könnten. Etwaige Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, welche sich als falsch herausstellen können.