Mosaique startet in Deutschland
Ein Gespräch mit den Portfoliomanagern Christian Schwab (CS) und Mark Waldmann (MW) über die neue Multi-Asset-Strategie der deutschen Vermögensverwaltung von Rothschild & Co.

Christian Schwab (links), Leiter Portfolio Management der deutschen Vermögensverwaltung von Rothschild & Co, und Mark Waldmann (rechts), verantwortlich für den Bereich Multi‑Asset innerhalb des Portfolio Managements in Deutschland.
Christian, Mark, warum reicht ein klassisches Einzelanlagekonzept heute nicht mehr aus?
CS: Einzelinvestments können sehr erfolgreich sein – solange das Umfeld stabil bleibt. Genau diese Stabilität ist jedoch verloren gegangen. 2022 hat eindrücklich gezeigt, dass selbst vermeintliche Gegengewichte wie Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck geraten können. Viele Portfolios basieren auf Annahmen über Inflation, Zinsen, makroökonomische Entwicklungen und Ertragssituationen von Unternehmen, die heute so nicht mehr gelten. Ein moderner Ansatz muss deshalb anpassungsfähig sein. Nicht das einzelne Investment steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit eines Gesamtportfolios, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen.
Warum wächst das Bedürfnis nach breiter Diversifikation – auch mit Gold und anderen realen Assets?
MW: Vermögen bedeutet Verantwortung – häufig über Generationen hinweg. Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, dass klassische Diversifikation an Grenzen stößt, wenn viele Anlageklassen von denselben makroökonomischen Faktoren beeinflusst werden. Reale Assets, zum Beispiel Gold, sind keine kurzfristigen Renditetreiber, sondern Stabilitätsanker. Sie folgen einer anderen Logik und können in Stressphasen helfen, Portfolios zu stabilisieren.
CS: Gleichzeitig geht es nicht nur um Absicherung, sondern auch um Zukunftsthemen. Unsere Kunden wollen an Innovation, neuen Technologien und globalen Trends partizipieren. Die Herausforderung besteht darin, Stabilität und Chancen intelligent zu verbinden – also Vermögen zu schützen und zugleich weiterzuentwickeln.
Unsere Kunden wollen an Innovation, neuen Technologien und globalen Trends partizipieren.
Was unterscheidet Mosaique von einem klassischen Depot?
CS: Ein klassisches Portfolio besteht meist aus einer Summe einzelner, unabhängiger Entscheidungen. Mosaique hingegen folgt einer klaren inneren Logik. Jeder Baustein erfüllt eine definierte Funktion – sei es Wachstum, Stabilisierung oder Absicherung.
MW: Entscheidend ist das Zusammenspiel. Wir steuern aktiv die Beziehungen zwischen den Bausteinen, berücksichtigen Abhängigkeiten und nutzen unterschiedliche Ertragsquellen gezielt. Das Verhalten des Portfolios ist also kein Zufall, sondern bewusst gestaltet.
Was ist das Kernversprechen von Mosaique?
MW: Nicht maximale Rendite in guten Jahren, sondern eine marktnahe Performance im Rahmen des Risikoprofils und Multi-Asset-Ansatzes – und damit potenziell langfristiger Kaufkrafterhalt. Mosaique soll Planbarkeit und strukturellen Vermögenserhalt schaffen, indem es flexibel auf unterschiedliche Marktbedingungen reagiert und nicht kurzfristige Renditemaximierung in den Mittelpunkt stellt.
Warum ist dieser langfristige Ansatz so entscheidend für den Vermögenserhalt?
CS: Die größten Gefahren für Vermögen entstehen oft schleichend – und werden erst sichtbar, wenn es zu spät ist. Vor allem Inflation wirkt dabei wie ein permanenter, unsichtbarer Abfluss: Jahr für Jahr verliert Vermögen real an Wert – selbst scheinbar moderate 2 % bedeuten über Zeit einen erheblichen Kaufkraftverlust. Geopolitische Spannungen, strukturelle Inflation oder technologische Umbrüche sind keine kurzfristigen Phänomene, sondern werden die Märkte dauerhaft prägen. Ein disziplinierter Investmentprozess schafft hier Stabilität. Er reduziert die Zahl emotionaler Entscheidungen und sorgt dafür, dass Risiken früh erkannt werden.
MW: Langfristiger Erfolg entsteht nicht durch eine Ansammlung von einzelnen richtigen Entscheidungen, sondern durch Widerstandsfähigkeit über viele Marktphasen hinweg. Genau darauf ist Mosaique ausgerichtet.
Wie trägt der Ansatz dazu bei, Kaufkraft zu erhalten?
MW: Inflation ist heute ein globales Phänomen. Sie wird von Energiepreisen, Lieferketten, Währungen und geopolitischen Entwicklungen beeinflusst – ein rein lokaler Ansatz greift deshalb zu kurz. Es wird oft unterschätzt, dass die niedrigen Inflationsraten der letzten 30 Jahre kein Zufall waren, sondern eine Art „Dividende der Globalisierung“: effiziente Lieferketten, günstige Produktion und offene Märkte haben den Preisdruck gedämpft. Diese Phase kehrt sich nun schrittweise um. Deglobalisierung, geopolitische Spannungen und strukturelle Veränderungen führen dazu, dass Inflation hartnäckiger und weniger vorhersehbar wird. Gerade deshalb gewinnt ein international ausgerichteter, aktiver Investmentansatz an Bedeutung – mit dem Ziel, Kaufkraft zu sichern und Vermögen auch in einem Umfeld strukturell höherer Inflation zu erhalten.
CS: Mosaique begegnet dem auf mehreren Ebenen: durch flexible Allokation, durch gezielte Integration realer Assets und durch globale Diversifikation. Wer global investiert, schafft einen natürlichen Ausgleich zur lokalen Kaufkraftentwicklung. Unser Ziel ist es, über den gesamten Zyklus hinweg ein reales Wachstum zu erzielen – nicht nur kurzfristige Erfolge.
Volatilität gehört zu den Märkten. Wie wird sie tragfähig gemacht?
CS: Volatilität ist an sich nichts Negatives. Problematisch wird sie erst, wenn sie besonders stark ansteigt.
MW: Wir begegnen ihr strukturiert: durch echte Diversifikation über unterschiedliche Ertragsquellen hinweg, durch einen asymmetrischen Ansatz mit begrenzten Verlusten und durch den gezielten Einsatz von Absicherungsinstrumenten. So werden Schwankungen zwar nicht eliminiert, jedoch in ein Verhältnis gebracht, das für Anleger tragfähig bleiben kann.
Langfristiger Erfolg entsteht nicht durch eine Ansammlung von einzelnen richtigen Entscheidungen, sondern durch Widerstandsfähigkeit über viele Marktphasen hinweg.
Für wen ist Mosaique besonders geeignet?
MW: Für Investoren mit einem klaren Blick über das Heute hinaus. Für diejenigen, die Vermögen nicht nur erhalten, sondern nachhaltig weiterentwickeln wollen.
CS: Typischerweise sprechen wir über mittel- bis langfristige Anlagehorizonte und über Anleger, die Komplexität als heutige Realität akzeptieren. Weniger geeignet ist der Ansatz für kurzfristige Anlagehorizonte oder den Wunsch, Schwankungen vollständig auszuschließen.
Was bedeutet der Launch von Mosaique in Deutschland?
CS: Wir bringen eine international bewährte Strategie in einen Markt, in dem das Bedürfnis nach strukturierten Lösungen für Vermögenserhalt wächst.
MW: Für unsere Kunden bedeutet das Zugang zu einer globalen Anlagelogik, kombiniert mit lokaler Expertise. Genau dieses Zusammenspiel macht den Unterschied und schafft Vertrauen.
Warum überzeugt Sie dieser Ansatz persönlich?
MW: Weil er nicht auf kurzfristigen Prognosen basiert, sondern auf Struktur und Disziplin.
CS: Und weil er sich anpassen kann. Mosaique ist kein starres Konzept, sondern ein dynamisches System, das unterschiedliche Marktphasen berücksichtigt. Genau diese Fähigkeit macht ihn für die Zukunft so relevant.
Vielen Dank, Christian und Mark!
Das Gespräch führte Sandra Chattopadhyay, Head of Communications, Rothschild & Co Wealth Management Deutschland.
Mosaique: Vielfalt als Prinzip für Stärke und Balance
Im Exbury Garden zeigt sich die Idee der Anlagestrategie in Lionel de Rothschilds Rhododendron „Mosaique“ – das Ergebnis bewusster Hybridisierung, bei der sorgfältig ausgewählte Eigenschaften zu einem neuen, überlegenen Ganzen verschmelzen.
Rothschilds „Mosaique“ der Pflanzenwelt ist das, was ein Multi‑Asset‑Portfolio für Kapital ist:
eine gezielt komponierte Vielfalt unterschiedlicher Elemente, die im Zusammenspiel widerstandsfähiger, ausgewogener und leistungsfähiger wird als jede einzelne Komponente für sich. Durch die intelligente Kombination verschiedener Anlageklassen entsteht ein Portfolio, das Risiken streut, Chancen nutzen und langfristig stabil wachsen kann – ein harmonisches Gesamtbild, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
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