„Wer nach Qualität sucht, sollte auf langfristige Wachstumstrends statt auf kurzfristige Hypes achten“

Rothschild & Co

Der Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Rothschild & Co, Christian Schwab, befürwortet eine vernünftige Aktienquote in Kundenportfolien.

Ein Gespräch mit Christian Schwab, dem Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Rothschild & Co

Christian, was macht erfolgreiche Vermögensverwalter aus?

Zunächst sind ein tiefgehendes Kundenvertrauen, eine exzellente Reputation sowie die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und seiner Experten in Bezug auf Fachkompetenz nötig. Es sind Attribute, die nur über konsistentes Handeln und einen langen Zeitraum entstehen können. Zur Vertrauenswürdigkeit muss der Investmentansatz passen. Entscheidend ist, dass er klar und nachvollziehbar ist. Die Anlagestrategie muss verständlich sein und einen Mehrwert bieten. Risiken sollten bewusst gemanagt und in einem ausgewogenen Verhältnis zum langfristigen Ertrag stehen.

Wie definierst du Mehrwert im Portfoliomanagement?

Die Anlagestrategie soll nicht nur Kapital erhalten, sondern auch aktiv Chancen zur Wertsteigerung nutzen. Um zu beurteilen, ob Mehrwert erzielt wurde, genügt es nicht, kurzfristige Performancezahlen zu betrachten. Über eine längere Zeitperiode (einen sogenannten Börsenzyklus) ereignen sich positive wie negative Phasen. Mehrwert bedeutet, während des Zyklus Chancen in positiven Zeiträumen zu nutzen und Risiken in negativen Perioden zu begrenzen.

Unser Investmentansatz basiert auf fundierten Bewertungen

Wie managt Rothschild & Co Kundenportfolien?

Bei Aktien fokussieren wir auf qualitativ hochwertige Geschäftsmodelle mit strukturellem Wachstum, die nicht überbewertet sind. Die Unternehmen zeichnen sich durch starke Bilanzen, stabile Erträge und ein erfahrenes, vertrauenswürdiges Management aus. Einem Unternehmen, in das wir investieren, müssen wir so vertrauen können wie unsere Kunden uns. Jede unserer Anlageentscheidungen ist also wohl überlegt. Unser Investmentansatz folgt keiner kurzfristigen Spekulation; er ist auf Langfristigkeit ausgerichtet. Wichtig ist auch eine ausgewogene Diversifizierung, um Risiken zu minimieren und die Interessen von Kunden zu schützen. Das Ziel: Stabilität und Nachhaltigkeit in der Vermögensentwicklung. Im Bereich festverzinslicher Anlagen  interessieren wir uns für inflationsgeschützte Staatsanleihen, um eine Balance zwischen Rendite und Risiko zu schaffen.

Wie erkennt man gute Geschäftsmodelle?

Zunächst müssen die Erträge des Unternehmens über einen längeren Zeitraum hinweg stabil und wiederkehrend sein. Sie sollten kontinuierlich wachsen und die Inflation übertreffen. Ein vielversprechendes Geschäftsmodell ist in der Lage, Ertragssteigerungen zu generieren, die das herrschende wirtschaftliche (und politische) Umfeld positiv überdauern. Neben den Erträgen spielt die Bewertung eine wichtige Rolle. Selbst wenn ein Geschäftsmodell solide ist, muss das Unternehmen zu einem angemessenen Preis gehandelt werden. Es kommt vor, dass nach der Investition der Kurs sinkt. Dann reagieren wir nur selten mit (sofortigen) Verkäufen. Unsere Strategie ist mittelfristig orientiert und basiert auf fundierten Bewertungen. Solange Geschäftsmodelle langfristig attraktiv bleiben und wir dem Management weiter Vertrauen entgegenbringen, halten wir an ihnen fest und behalten die langfristigen Chancen im Blick.

Rothschild & Co zeigt eine klare Präferenz für Aktien. Wo lässt sich Qualität finden?

Wer nach Qualität sucht, sollte auf langfristige Wachstumstrends statt auf kurzfristige Hypes achten. Die Veränderungen des Kapitalmarktes beurteilen wir dabei mit Augenmaß. Vielversprechende Geschäftsmodelle finden sich in der Technologiebranche, im Gesundheitswesen, der Industrie und bei nicht-zyklischen Konsumgütern. Attraktiv sind Modelle mit stabilen, wiederkehrenden Ertragsströmen statt einmaligen Großprojekten. Ein Beispiel ist CloudComputing: Mit wachsenden Datenmengen und dem Bedarf an effizientem Informationszugriff bieten Cloud-Lösungen kontinuierliche Ertragspotenziale. Ein weiterer struktureller Trend ist der steigende weltweite Energiebedarf, der durch Optimierung der Energieerzeugung und innovative Ansätze im Energieverbrauchsmanagement adressiert werden kann.

Sind ESG-Kriterien nicht schon in all unseren Investments integriert?

Für sämtliche unserer Mandate gelten strenge Nachhaltigkeitskriterien. Diese zielen insbesondere auf die Erreichung von CO2-Reduktionszielen ab und schließen Geschäftsmodelle aus, die auf der Herstellung und dem
Vertrieb kontroverser Waffen basieren oder grundlegende Prinzipien der verantwortungsvollen Unternehmensführung (Governance) verletzen. In unserer Strategie finden sich keine Aktien von Unternehmen, die mehr als 20 % ihres Umsatzes mit der Förderung von Kraftwerkskohle oder der Erzeugung von Kohlestrom erzielen, noch solche, die mehr als 5 % ihres Umsatzes aus dem Verkauf von Tabakwaren generieren. Wir wollen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten – ohne dabei auf solide Anlagechancen zu verzichten.

Einem Unternehmen, in das wir investieren, müssen wir so vertrauen können wie unsere Kunden uns

Wie geht Rothschild & Co mit Risiken um?

Aktien unterliegen Schwankungen. Dennoch liefern sie langfristig die höchste Rendite. Aus Investorensicht macht es Sinn, Aktienpositionen in einem vernünftigen Umfang zu halten. Vernünftig heißt: Die gewählte Quote sollte immer zur Risikobereitschaft des Anlegers passen. Natürlich können Anleihen oder Liquidität manchmal sinnvollere Instrumente sein. Umschichtungen zwischen offensiven und defensiven Anlageklassen helfen uns, unnötige Risiken zu vermeiden.

Aktive ETFs gelten vielerorts als die Zukunft der Geldanlage. Folgt Rothschild & Co diesem Trend?

ETFs, oft auf Marktkapitalisierungsgewichtung basierend, bergen Risiken. Mit steigendem Kapitalzufluss werden Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung in einem Index stärker gewichtet, was zu einer Konzentration auf wenige Schwergewichte führt und das Risiko von Klumpenbildungen und Verlusten erhöht. Weil handelsübliche ETFs nicht aktiv gemanagt werden, kauft man automatisch vor allem diese Schwergewichte. Beim S&P 500 machen die fünf größten Positionen derzeit einen erheblichen Anteil des Portfolios aus, was es wenig diversifiziert und anfällig für Marktschwankungen macht. Während quantitative Strategien und ETFs zweifellos ihre Vorteile haben, glauben wir an die Stärke unseres aktiven, verantwortungsvollen Managements, das nicht blind dem Markt folgt, sondern bewusste Entscheidungen trifft. So bieten wir eine stabilere Alternative.

Welche Rolle spielt das Thema Künstliche Intelligenz (KI)?

Die Technologie stellt einen vielversprechenden Langfristtrend und ein attraktives Investmentthema dar. Allerdings gibt es noch wenige Unternehmen, die bereits ein profitables, auf KI basierendes Geschäftsmodell etabliert haben. Einige Chiphersteller und Betreiber von Rechenzentren erzielen zwar schon beträchtliche Gewinne, doch die Mehrheit der Akteure befindet sich noch in der Anfangsphase. Auf Anwendungsebene erweist sich KI aber schon heute als ideales Werkzeug, um große Datenmengen effizienter zu analysieren und aufzubereiten. Durch das hohe Potenzial zur Kostensenkung können erhebliche Produktivitätssteigerungen erzielt werden – auch in vielen Bereichen von Rothschild & Co.

 

Welche Anlagen haben sich 2024 als gut erwiesen?

Unser Übergewicht im Technologiesektor hat sich trotz einer Schwächephase im vergangenen Jahr als vorteilhaft herausgestellt. Auch unsere Investments im Gesundheitsbereich zeigten solides strukturelles Wachstum. Zudem hat sich unsere Entscheidung, grundsätzlich keine direkten Investments in Schwellenländern zu tätigen, erneut als richtig erwiesen. Wir bilden das Anlagethema Emerging Markets nur indirekt ab, setzen also auf Unternehmen in den Industrienationen, die vom Wachstum in Schwellenländern profitieren. Diese Anlagen haben sich in den letzten Monaten stabiler entwickelt als ihre Pendants in den aufstrebenden Regionen.

Gibt es ein Investment, das du bereust?

Reue hat in unserem Kontext keinen Platz. Anlagen basieren auf Einschätzungen, die sich im Lauf der Zeit ändern können – das muss man akzeptieren. Dennoch ist es ärgerlich, wenn es mal nicht funktioniert.

Vielen Dank für das Gespräch, Christian!

 

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