August: Märkte im Spannungsfeld von Risiko und Resilienz
Geopolitische Risiken bleiben präsent
Die erneute Eskalation im Nahen Osten bestimmte im Berichtsmonat die Schlagzeilen und rückte geopolitische Risiken erneut in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. In einem Umfeld, das bereits von zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist, reagieren die Kapitalmärkte auf solche Entwicklungen naturgemäß sensibel. Befürchtungen möglicher Auswirkungen auf Energieversorgung, Lieferketten und den Welthandel sorgten zwischenzeitlich für erhöhte Nervosität. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die Märkte geopolitische Ereignisse zunehmend differenziert bewerten und stärker auf deren tatsächliche wirtschaftliche Konsequenzen als auf die unmittelbare Nachrichtenlage fokussieren. Die Entwicklung unterstreicht dennoch, dass geopolitische Risiken ein wesentlicher Einflussfaktor bleiben und jederzeit zu kurzfristigen Marktbewegungen führen können.
Wirtschaftliche Auswirkungen bleiben bislang begrenzt
Trotz der verschärften Lage sind die wirtschaftlichen Auswirkungen bislang überschaubar geblieben. Weder die globale Konjunktur noch die Unternehmensgewinne wurden bisher spürbar belastet. Auch an den Rohstoff- und Energiemärkten kam es zwar zu temporären Reaktionen, eine nachhaltige Störung wichtiger Versorgungswege oder eine grundlegende Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist derzeit jedoch nicht erkennbar. Die Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen, die aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre hervorgegangen ist, trägt ebenso zur Stabilität bei wie die weiterhin solide Nachfrage in wichtigen Volkswirtschaften. Insgesamt ergibt sich aktuell kein Bild einer konjunkturellen Trendwende, sondern vielmehr eines Umfelds, in dem geopolitische Risiken aufmerksam beobachtet werden, ohne bislang die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend zu verändern.
Märkte bewegen sich weitgehend seitwärts
Vor diesem Hintergrund bewegten sich die meisten Aktien- und Anleihemärkte im Berichtsmonat ohne klare Richtung. Die Marktteilnehmer fanden sich in einem Spannungsfeld aus geopolitischer Unsicherheit auf der einen und einer weiterhin robusten Konjunktur auf der anderen Seite wieder. Positive Unternehmensnachrichten und stabile makroökonomische Daten wirkten unterstützend, während geopolitische Risiken kurzfristig immer wieder für Zurückhaltung sorgten. Das Ergebnis war eine weitgehend seitwärts gerichtete Entwicklung vieler Märkte.
Die robuste Verfassung der Wirtschaft bleibt dabei ein wichtiger stabilisierender Faktor. Solide Arbeitsmärkte, widerstandsfähiger Konsum und insgesamt stabile Unternehmensgewinne sprechen weiterhin gegen ein deutlich schwächeres Wachstumsszenario. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Marktentwicklung, dass Anleger Risiken sorgfältig abwägen und eine ausgewogene Positionierung bevorzugen. Solange die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Spannungen begrenzt bleiben und die Konjunktur ihre Widerstandskraft behält, dürfte dieses Nebeneinander von Vorsicht und Zuversicht das Marktumfeld weiterhin prägen. In einem solchen Umfeld gewinnen Disziplin, Qualitätsfokus und Diversifikation unverändert an Bedeutung, um Chancen zu nutzen und gleichzeitig die Auswirkungen möglicher geopolitischer Belastungsfaktoren zu begrenzen.

Portfoliokommentar
Obwohl die Aktienmärkte im Juli auf den ersten Blick weitgehend seitwärts tendierten, vollzog sich unter der Oberfläche ein bemerkenswerter Wandel gegenüber den Vormonaten. Der erneut aufgeflammte Konflikt zwischen den USA und dem Iran verlieh zwar insbesondere Energiewerten Rückenwind. Darüber hinaus rückten jedoch vor allem jene Sektoren stärker in den Fokus der Anleger, die zu Jahresbeginn noch weniger Beachtung gefunden hatten. So stieg das Interesse an Aktien aus den Bereichen Konsum und Finanzwerten, wovon auch die Aktienportfolios unserer Kunden profitierten. Innerhalb des IT-Sektors verloren hingegen insbesondere Halbleiterwerte zuletzt an Attraktivität, während klassische Technologieunternehmen mit Schwerpunkten in den Bereichen Software und Cloud eine bessere Entwicklung verzeichneten. Auch von dieser Verschiebung innerhalb des Sektors profitierte unsere Aktienstrategie, die auf Monatssicht eine deutliche Outperformance gegenüber dem Markt erzielen konnte. Für die Rentenmärkte gestaltete sich der Juli hingegen vergleichsweise herausfordernd. Das Wiederaufflammen des Konflikts im Nahen Osten führte zu einem spürbaren Anstieg der Ölpreise und ließ damit auch die Sorgen vor einer höheren Inflation erneut aufleben. Infolgedessen zogen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen deutlich an, was insbesondere bei länger laufenden Anleihen zu Kursverlusten führte. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich auch unser Anleiheportfolio negativ und bewegte sich weitgehend im Einklang mit den entsprechenden Marktsegmenten.


Kapitalmarktausblick und Positionierung
Die maßgeblichen Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte bleiben die Entwicklung der Inflation, die Geldpolitik der Notenbanken sowie die Unternehmensgewinne. Da derzeit nicht absehbar ist, wann der Konflikt zwischen dem Iran und den USA nachhaltig gelöst sein wird, dürfte auch in den kommenden Monaten mit Belastungen durch höhere Energiepreise und entsprechenden Inflationsimpulsen zu rechnen sein. Während die Europäische Zentralbank weiterhin konsequent auf Preisstabilität ausgerichtet ist, bleibt der geldpolitische Kurs der US-Notenbank weniger eindeutig. Gleichzeitig zeigt sich die US-Wirtschaft unverändert robust. Die starke konjunkturelle Entwicklung stützt die Unternehmensgewinne und bildet weiterhin ein solides Fundament für den amerikanischen Aktienmarkt. Die jüngste Korrektur bei KI-Infrastrukturwerten, insbesondere im Halbleitersektor, werten wir als gesunde Konsolidierung nach der sehr starken Kursentwicklung seit Jahresbeginn. Die grundlegenden Wachstumstreiber bleiben intakt: Die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips und Rechenzentrumskapazitäten ist unverändert hoch und dürfte den Technologiesektor weiter unterstützen. Insgesamt sprechen die Rahmenbedingungen aus unserer Sicht weiterhin für Aktienanlagen, insbesondere in den Sektoren Finanzen, Technologie und Industrie. Trotz des schwierigen Marktumfelds halten wir bei Anleihen an einer leicht verlängerten Laufzeitenstruktur fest, vor allem bei Emittenten hoher Bonität. Das aktuelle Renditeniveau erscheint attraktiv und bietet aus unserer Sicht eine angemessene Kompensation für die bestehenden Risiken. Zwar sorgen steigende Ölpreise kurzfristig für höheren Inflationsdruck. Anders als in den USA wird die Inflation in Europa jedoch nicht von einer besonders starken Binnenkonjunktur getragen. Höhere Energiekosten dürften daher eher nachfragedämpfend wirken und die Preisentwicklung mittelfristig wieder stabilisieren.
Fazit
Die laufende Berichtssaison in den USA bestätigt die hohe Ertragskraft der Unternehmen und stützt damit das aktuelle Bewertungsniveau der Aktienmärkte. Dies bekräftigt unsere positive Einschätzung von Aktienanlagen. Europäische Aktien bieten aufgrund ihrer attraktiveren Bewertungen weiterhin Aufholpotenzial, insbesondere bei einer Entspannung im Nahen Osten und daraus resultierenden sinkenden Ölpreisen.
Wertentwicklung in EUR (Stand 31.07.2026)
Aktien (MSCI-Indizes) |
Juli % |
YTD % |
|---|---|---|
| Global | -0,1 | 12,5 |
| Europa, ex UK | 0,0 | 11,9 |
| USA | -0,7 | 12,1 |
| Schweiz | -0,3 | 10,0 |
| Japan | 0,4 | 19,4 |
| Schwellenländer Asien | -4,8 | 25,4 |
| Schwellenländer ohne Asien | 1,9 | 10,6 |
Anleihen |
Rendite |
Juli % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| DE 10 Jahre | 3,21 | -2,0 | -0,7 |
| US 10 Jahre | 4,74 | -2,2 | 0,3 |
| CH 10 Jahre | 0,41 | -1,2 | -0,4 |
| EU 10 Jahre | 3,52 | -1,8 | -0,1 |
Währungen |
Kurs |
Juli % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| EURUSD | 1,15 | 0,9 | -1,9 |
| EURGBP | 0,86 | -0,7 | -1,9 |
| EURCHF | 0,93 | 0,8 | 0,0 |
Rohstoffe |
Kurs |
Juli % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| Gold (€/Unze) | 3510 | 0,1 | -4,5 |
| Brent-Öl (€/Barrel) | 90 | 23,6 | 48,1 |
| Erdgas (€) | 59 | 36,5 | 112,9 |
Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co.
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