Altersvorsorge für Frauen: Heute schon für morgen handeln

Einige Frauen haben mir gesagt, sie würden lieber über den Tod sprechen als über ihre Vorsorge."

Relationship Manager | PensExpert Barbara Birchler

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In ihrer Rede an der Veranstaltung von Advance und Rothschild & Co im Jahr 2025 thematisierte Barbara Birchler sowohl das verbreitete Unbehagen vieler Frauen im Zusammenhang mit der Altersvorsorge als auch die strukturellen Rahmenbedingungen, die dieses Thema besonders einschüchternd wirken lassen.

Frauen sehen sich bei der langfristigen Finanzplanung nach wie vor mit einer Reihe struktureller und demografischer Herausforderungen konfrontiert. Sie verdienen im Durchschnitt weniger, unterbrechen ihre Berufstätigkeit häufiger für die Kinderbetreuung und steigen anschliessend oft in Teilzeit wieder ein. In Verbindung mit ihrer höheren Lebenserwartung führen diese Faktoren dazu, dass sie im Alter oft schlechter abgesichert sind. Die Folge: Vorsorgelücken, die sich nur schwer wieder schliessen lassen.

Trotz dieser Ausgangslage beschäftigen sich viele Frauen nur zögerlich mit ihrer Altersvorsorge, häufig weil sie sich unsicher im Umgang mit Finanzthemen fühlen. Wie die VorsorgeDIALOG‑Studie 20251 zeigt, schätzen Frauen ihr Wissen oft geringer ein als Männer. Das deutet jedoch nicht auf geringere Kompetenz hin, sondern vielmehr auf ein ausgeprägteres Bewusstsein für eigene Wissenslücken. Genau darin liegt eine Chance: Denn Bewusstsein ist der erste Schritt zur Veränderung.

Auch der Vorsorgemonitor der AXA2 macht deutlich, dass zentrale finanzielle Themen in Partnerschaften selten offen besprochen werden. Zwei Drittel der Paare sprechen weder über Trennung oder Scheidung noch über deren finanzielle Auswirkungen. In Familien wird zudem kaum über Vorsorgelücken gesprochen, die durch Kinderbetreuung entstehen. Diese Realität zeigt: Gerade Frauen fühlen sich in solchen Situationen häufig allein gelassen oder überfordert.

Wer versteht, wie das System funktioniert, kann bessere Entscheidungen treffen und die Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft übernehmen. Dafür braucht es Informationen, die verständlich, relevant und praxisnah sind – und Beratung, die Frauen an der richtigen Stelle abholt.

1 Studie der Hochschule Luzern
2 Bericht wurde vom Schweizer Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt

Unsere Empfehlungen für wichtige Lebensphasen

1. Start ins Berufsleben
Ihr beruflicher Werdegang ist ein spannendes neues Kapitel. Ein regelmässiges Einkommen eröffnet neue finanzielle Möglichkeiten, bringt jedoch auch neue Verantwortung mit sich.

Behalten Sie vom ersten Tag an den Überblick
Wenn Sie Ihre Finanzen organisieren, indem Sie eine einfache Übersicht über Einnahmen und Ausgaben führen und Ihre Steuererklärung sorgfältig ausfüllen, behalten Sie Ihre finanzielle Situation besser im Griff. Zudem ist es wichtig zu prüfen, welche Risiken abgesichert werden sollten, etwa durch Hausrat‑, Haftpflicht‑ oder Rechtsschutzversicherungen.

Stärken Sie Ihre Zukunft mit der 3. Säule
Regelmässige Einzahlungen in die 3. Säule helfen, langfristig Vermögen aufzubauen und zukünftige Vorsorgelücken zu verringern. Ein einfacher Schritt mit grosser Wirkung über die Zeit.

Vermeiden Sie kombinierte Versicherungs- und Sparprodukte 
Wir raten von 3a-Kombiprodukten ab, die Sparen und Versichern miteinander verknüpfen. Eine klare Trennung sorgt für mehr Transparenz, Flexibilität und führt langfristig häufig zu besseren finanziellen Ergebnissen.

2. Verwaltung der Familienfinanzen
Zusammenziehen mit einem Partner, das Einrichten gemeinsamer Konten, eine Heirat oder die Familienplanung haben langfristige finanzielle Auswirkungen. Klare Kommunikation und gemeinsame Verantwortung sind entscheidend, um die Finanzen auf eine solide Basis zu stellen.

Ehe und finanzielle Klarheit 
Ein Ehevertrag kann sinnvoll sein. Er hilft, Ansprüche auf Altersvorsorge oder Verantwortlichkeiten bei der Kinderbetreuung zu klären, insbesondere wenn beispielsweise ein Partner seine Arbeitszeit zur Kinderbetreuung reduziert.

Die Auswirkungen von Teilzeitarbeit verstehen 
Reduzierte Arbeitszeiten können zu Lücken bei den staatlichen Rentenbeiträgen, geringeren Einzahlungen in die Pensionskasse und reduzierten 3a-Sparbeträgen führen. Um Defizite auszugleichen, können Sie Folgendes in Betracht ziehen:

  • Zusätzliche Einkäufe in die Pensionskasse, um Vorsorgelücke zu schliessen
  • Vollständige Ausschöpfung der 3a-Beiträge (2026: CHF 7'258)
  • Aufbau eines Familien-Investitionsplans, um spätere Vorsorgedefizite aus Teilarbeit zu kompensieren

Prüfen Sie, wie Ihre Pensionskasse Ihren versicherten Lohn festlegt
Bei veränderten Pensen kommt dem Koordinationsabzug (CHF 26'460 im Jahr 2026) eine entscheidende Bedeutung zu. Sollte dieser Abzug nicht versichert oder nicht an den Beschäftigungsgrad angepasst sein, können Ihr versicherter Lohn und damit Ihre Rentenansprüche überproportional sinken. Im Idealfall versichern die Arbeitgeber entweder den gesamten Koordinationsabzug oder passen ihn proportional zum Beschäftigungsgrad an, um unnötige Rentenverluste zu vermeiden.

3. Umgang mit Lebensübergängen
Lebensveränderungen wie eine Scheidung oder eine berufliche Auszeit rücken frühere finanzielle Entscheidungen oft stärker in den Fokus.

  • Gab es einen Ehevertrag?
  • Wurden die Vorsorgeansprüche während Teilzeitphasen fair aufgeteilt?
  • Haben Sie die möglichen Auswirkungen eines Sabbaticals auf Ihre Vorsorgestrategie geprüft?

Unabhängig von bisherigen Entscheidungen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit der Ruhestandsplanung zu beginnen. Je früher Sie starten, desto mehr Handlungsspielraum bleibt Ihnen.

Erstellen Sie einen ganzheitlichen Finanzplan 
Ein umfassender Finanzplan kann Szenarien wie den Pensionierungszeitpunkt, Kapital‑ oder Rentenbezug, Mischformen oder mögliche Teilpensionierungen veranschaulichen und so für Klarheit über Handlungsoptionen sorgen.

Überprüfen Sie Ihre Freizügigkeitsleistungen
Wenn Sie ein Sabbatical oder eine längere berufliche Auszeit planen, verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, wo Ihre Freizügigkeitsleistungen verwahrt werden und wie diese weiterhin investiert sind. Indem Sie sicherstellen, dass die Gelder auf einem geeigneten Freizügigkeitskonto für unverfallbare Leistungen verbleiben, können Sie die Kontinuität Ihrer Altersvorsorgestrategie wahren und unbeabsichtigte Vorsorgelücken vermeiden.

Setzen Sie Ihre langfristige Strategie neu auf
Wenn erwachsene Kinder finanziell unabhängig werden, eröffnen sich neue finanzielle Handlungsspielräume. Dies ist der ideale Zeitpunkt, um Ersparnisse wieder aufzubauen und langfristige finanzielle Ziele mit neuem Fokus zu verfolgen.  

4. Übergang in den Ruhestand

Die Schritte, die Sie in Ihren 50ern unternommen haben, bilden eine solide Grundlage für die nächste Lebensphase. Wenn Sie Anfang 60 sind und der Ruhestand sich von einem langfristigen Ziel zu einem unmittelbar bevorstehenden Meilenstein wandelt, ist es unerlässlich, sich mit den wichtigen Entscheidungen auseinanderzusetzen, die vor Ihnen liegen.


Ziehen Sie einen stufenweisen Ruhestand in Betracht
 
Eine Pensionierung in Teilschritten kann sowohl Flexibilität als auch steuerliche Vorteile bieten. Wenn Sie beispielsweise Ihr Arbeitspensum um 30% reduzieren, können Sie gleichzeitig 30% Ihres Pensionskassenkapitals beziehen. Diese gestaffelten Bezüge können ein wirksames Mittel sein, um Ihre Steuerbelastung zu optimieren.

Kapital oder Rente oder eine Mischung aus beidem?
Vor dem Ruhestand ist es unerlässlich zu prüfen, welche Bezugsstrategie Ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Massgebend ist unter anderem der Umwandlungssatz der Pensionskasse, der die lebenslange Rente bestimmt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Beginnen Sie frühzeitig mit der Nachlass- und Vermögensplanung
Mit einer durchdachten Nachlassplanung schaffen Sie Klarheit für sich und Ihre Erben. Ein Finanzplan, der die langfristige Entwicklung Ihres Vermögens veranschaulicht, hilft Ihnen zu erkennen, wie viel Vermögen voraussichtlich verbleiben wird, wie es im Ruhestand genutzt werden kann und wie die Verteilung aussehen soll. Ein Testament kann Ihre Wünsche festhalten, wobei Pflichtteile für Ehepartner und Kinder weiterhin berücksichtigt werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:


Langfristige finanzielle Sicherheit ist am grössten, wenn Frauen ihre finanzielle Zukunft aktiv gestalten und gegebenenfalls die Verantwortung und Entscheidungsfindung in einer Partnerschaft teilen.

Ein gut abgestimmter Anlageansatz, der Ziele, Zeithorizont und Risikobereitschaft berücksichtigt, kann in in Verbindung mit frühzeitigem Handeln, einem angemessenen Aktienanteil und dem Zinseszinseffekt regelmässiger Einzahlungen die Altersvorsorge erheblich verbessern.

Eine individuelle Beratung hilft dabei, diese Entscheidungen in klare Strategien umzusetzen und gibt das nötige Selbstvertrauen, um im Laufe der Zeit fundierte Entscheidungen zu treffen.

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