Zwischen Tradition und Zukunft: Wie SEM PER LEI den Generationenwechsel gestaltet
35 Jahre Unternehmertum, ein anstehender Generationenwechsel und eine klare Vision für die Zukunft: Sabine und Anna Lohèl sprechen gemeinsam mit Kundenberaterin Franziska Penner über Werte, Wandel und die DNA ihrer Modemarke SEM PER LEI.
Statt kurzlebigen Trends zu folgen, setzt SEM PER LEI auf Qualität, Authentizität und langlebige Lieblingsstücke. Rothschild & Co Kundenberaterin Franziska Penner (Mitte) traf Gründerin Sabine Lohèl (rechts) und ihre Tochter Anna (links) zum Gespräch über Kontinuität, Wandel und die Zukunft des Familienunternehmens.
Frage 1
Sabine, Anna, SEM PER LEI feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Wenn man auf diese Erfolgsgeschichte blickt, fällt auf, wie konsequent ihr euren Weg gegangen seid. In einer Branche, die von Fast Fashion, kurzen Produktzyklen und ständig wechselnden Trends geprägt ist, setzt ihr seit jeher auf Qualität und Beständigkeit. Was steckt dahinter?
Sabine: SEM PER LEI ist für mich viel mehr als eine Modemarke. Mein Mann Peter Lohèl und ich haben das Unternehmen gemeinsam gegründet und über 35 Jahre aufgebaut. In dieser Zeit hat sich unglaublich viel verändert, unser Anspruch ist aber geblieben: Wir wollten nie von kurzfristigen Trends leben, sondern von einer eigenen Handschrift. Wir möchten Frauen Mode anbieten, die sie über viele Jahre gerne tragen. Deshalb beginnt Qualität für mich bei der Auswahl der Stoffe und endet bei der Verarbeitung.
Anna: Genau das spürt man bis heute. Die Verbindung aus zeitloser Eleganz, hochwertigen Materialien, femininen Silhouetten und italienischer Handschrift macht SEM PER LEI unverwechselbar. Diese DNA ist ein starkes Fundament, auf dem wir aufbauen können.
Frage 2
Wenn ihr auf die vergangenen 35 Jahre zurückblickt: Welche Entscheidungen waren besonders prägend?
Sabine: Eine der wichtigsten war, konsequent an unseren Werten festzuhalten und die Marke dennoch weiterzuentwickeln. Ebenso wichtig waren die langfristigen Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und unserem Team. Gerade in einer schnelllebigen Branche sind Vertrauen und Verlässlichkeit unglaublich wertvoll. Natürlich würde ich mit der Erfahrung von heute manche Entscheidung vielleicht früher treffen. Aber Fehler gehören zum Unternehmertum dazu. Entscheidend ist, daraus zu lernen und den Mut zu behalten, weiterzugehen.
Es wird immer gute und schwierige Phasen geben. Wichtig ist, die eigene Identität nicht zu verlieren und gleichzeitig offen genug zu bleiben, sich weiterzuentwickeln.
Sabine Lohèl
Frage 3
Wenn ihr auf die vergangenen 35 Jahre zurückblickt: Welche Entscheidungen waren besonders prägend?
Sabine: Eine der wichtigsten war, konsequent an unseren Werten festzuhalten und die Marke dennoch weiterzuentwickeln. Ebenso wichtig waren die langfristigen Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und unserem Team. Gerade in einer schnelllebigen Branche sind Vertrauen und Verlässlichkeit unglaublich wertvoll. Natürlich würde ich mit der Erfahrung von heute manche Entscheidung vielleicht früher treffen. Aber Fehler gehören zum Unternehmertum dazu. Entscheidend ist, daraus zu lernen und den Mut zu behalten, weiterzugehen.
Diese Haltung hat sich besonders in schwierigen Zeiten bewährt. Die Pandemie war beispielsweise eine enorme Herausforderung. Damals wurde uns geraten, einen eigenen Onlineshop aufzubauen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil wir unseren Handelspartnern in dieser Phase keine Konkurrenz machen wollten. Rückblickend war das für uns die richtige Entscheidung.
Frage 4
Gab es in diesen Krisenjahren Momente des Zweifelns?
Sabine: Zweifel gehören wahrscheinlich zu jeder unternehmerischen Laufbahn dazu. Aber ich habe nie an unseren Grundwerten gezweifelt. Resilienz bedeutet für mich, auch in unsicheren Zeiten Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Nach 35 Jahren weiß ich: Es wird immer gute und schwierige Phasen geben. Wichtig ist, die eigene Identität nicht zu verlieren und gleichzeitig offen genug zu bleiben, sich weiterzuentwickeln.
Frage 5
Anna, du bist nach Stationen außerhalb des Familienunternehmens eingestiegen. Viele Nachfolger stehen vor der Herausforderung, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig eigene Impulse zu setzen. Wie gelingt dieser Balanceakt?
Anna: Für mich beginnt alles mit Respekt vor dem, was bereits aufgebaut wurde. SEM PER LEI hat eine klare DNA, die ich unbedingt bewahren möchte. Gleichzeitig entwickeln sich Kundinnen, Märkte und gesellschaftliche Erwartungen weiter. Durch meine Erfahrungen außerhalb des Unternehmens bringe ich neue Perspektiven mit. Es geht nicht darum, Bestehendes infrage zu stellen, sondern darum, die Werte weiterzutragen und ihnen meine eigene Handschrift zu geben.
Sabine: Und genau diesen Freiraum möchte ich Anna geben. Ich erwarte nicht, dass sie das Unternehmen genauso führt wie ich. Die Werte bleiben, aber ihre Interpretation darf sich verändern. Genau darin liegt die Zukunft von SEM PER LEI.
Frage 6
Das klingt nach einem sehr bewussten Generationenwechsel. Was bedeutet Loslassen für dich persönlich, Sabine?
Sabine: Loslassen ist vermutlich eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, besonders wenn man etwas über Jahrzehnte aufgebaut hat. Als Mutter möchte man natürlich schützen und manchmal sagen: „Mach es lieber so, wie ich es gemacht habe.“ Aber die nächste Generation muss ihren eigenen Weg gehen. Für mich bedeutet Loslassen nicht, mich zurückzuziehen, sondern Verantwortung zu teilen und darauf zu vertrauen, dass das, was Peter und ich aufgebaut haben, weiterwachsen darf.
Anna: Unsere unterschiedlichen Erfahrungen empfinde ich als große Bereicherung. Meine Mutter blickt auf 35 Jahre Unternehmertum zurück, während ich Themen oft unvoreingenommener betrachte und andere Fragen stelle. Mir geht es nicht darum, Dinge anders zu machen, nur weil ich einer anderen Generation angehöre. Ich möchte verstehen, warum Strukturen entstanden sind, und dann entscheiden, was weiterhin sinnvoll ist und wo wir uns weiterentwickeln können.
Für mich geht es darum, die bestehenden Werte weiterzutragen und ihnen meine eigene Handschrift zu geben.
Anna Lohèl
Frage 7
Wenn wir zum Schluss den Blick nach vorne richten: Woran würdet ihr in zehn Jahren erkennen, dass dieser Übergang gelungen ist?
Anna: Erfolg würde ich nicht daran messen, ob SEM PER LEI dann jünger oder völlig anders geworden ist. Entscheidend wäre für mich, dass wir gesund und nachhaltig gewachsen und gleichzeitig mit der Zeit gegangen sind. Gerade in der Mode gibt es ständig neue Trends und Möglichkeiten. Die Herausforderung besteht darin zu unterscheiden, was nur kurzfristige Modeerscheinung ist und was wirklich zu uns passt. Wenn wir die Marke emotionaler und erlebbarer machen, unsere Kommunikation weiterentwickeln und wirtschaftlich gesund wachsen, wäre das für mich ein erfolgreicher Übergang.
Sabine: Für mich wäre die Nachfolge gelungen, wenn SEM PER LEI auch in zehn Jahren noch eindeutig SEM PER LEI ist. Besonders schön wäre, wenn Anna dann sagen kann: „Das ist unser Unternehmen“ und nicht: „Das ist das Unternehmen meiner Eltern, das ich übernommen habe.“ Wenn daraus etwas Eigenständiges entsteht, ohne dass die Seele der Marke verloren geht, dann wäre das für mich die schönste Form der Nachfolge.
Man spürt, dass es bei SEM PER LEI nicht nur um Mode geht, sondern um Werte, Vertrauen und eine gemeinsame Vision über Generationen hinweg. Vielen Dank euch beiden für das Gespräch.
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