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Oktober: Zuversicht trotz Unsicherheit

Veröffentlichungsdatum
Zuversicht trotz Unsicherheit

Der Herbst ist traditionell eine Zeit der Standortbestimmung. Nach drei Quartalen voller geopolitischer Schlagzeilen, politischer Spannungen und geldpolitischer Debatten zeigt sich ein bemerkenswertes Bild: Die Weltwirtschaft erweist sich widerstandsfähiger als viele Beobachter erwartet hatten, und die Kapitalmärkte richten ihren Blick zunehmend wieder auf fundamentale Faktoren.

Geopolitische Spannungen prägen die Schlagzeilen

Das geopolitische Umfeld bleibt fragil. Der Krieg in der Ukraine dauert an, im Nahen Osten bestehen weiterhin erhebliche Spannungen, und politische Polarisierung prägt zahlreiche große Volkswirtschaften. Dennoch haben sich die wirtschaftlichen Auswirkungen bislang als begrenzt erwiesen. Zwar liegen die Ölpreise über ihrem langfristigen Durchschnitt, doch von einem Niveau, das die globale Konjunktur ernsthaft gefährden würde, sind sie bislang entfernt. Gleichzeitig haben diplomatische Fortschritte zwischen den USA und China dazu beigetragen, die Sorgen vor einer erneuten Eskalation im Welthandel etwas zu reduzieren.

Die Konjunktur überrascht mit Robustheit

Während die Politik für Unsicherheit sorgt, senden die Konjunkturdaten ein konstruktiveres Signal. Vor allem in den USA bleibt die wirtschaftliche Dynamik bemerkenswert stark. Der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen entwickeln sich robust und werden zunehmend durch hohe Unternehmensgewinne getragen. Besonders die Investitionen in Künstliche Intelligenz und die dafür notwendige Infrastruktur haben sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickelt. Auch in Europa verbessern sich die Perspektiven, wenn auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau. Zusätzliche öffentliche Investitionen könnten der Wirtschaft in den kommenden Quartalen weiteren Rückenwind verleihen. In China zeichnet sich ebenfalls eine Stabilisierung ab.

Höhere Zinsen bleiben das wahrscheinlichere Szenario

Vor diesem Hintergrund hat sich der Zinsausblick grundlegend verändert. Noch zu Jahresbeginn rechneten viele Marktteilnehmer mit sinkenden Leitzinsen. Heute erscheint das Gegenteil wahrscheinlicher. Solides Wachstum, niedrige Arbeitslosigkeit und eine weiterhin erhöhte Kerninflation sprechen dafür, dass die Notenbanken an ihrem restriktiven Kurs festhalten. Die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank haben ihre Leitzinsen zuletzt weiter angehoben. Zusätzliche Zinsschritte im kommenden Jahr können nicht ausgeschlossen werden.

Bemerkenswert ist dabei, wie gelassen die Aktienmärkte auf den Anstieg der Renditen reagiert haben. Die Erklärung liegt in den Fundamentaldaten: Solange Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne überzeugen, können höhere Zinsen zumindest teilweise kompensiert werden. Die Gewinnerwartungen vieler Unternehmen entwickeln sich weiterhin positiv.

Konstruktives Umfeld trotz Gegenwind

Für Anleger bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll, aber keineswegs ungünstig. Kurzfristige Schwankungen sind angesichts der geopolitischen und geldpolitischen Unsicherheiten jederzeit möglich. Gleichzeitig sprechen die robuste Konjunktur, solide Unternehmensbilanzen und die anhaltende Innovationsdynamik für ein insgesamt konstruktives Bild. Die Herausforderungen sind nicht verschwunden. Doch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten liefern weiterhin Gründe für Zuversicht.

Wachstum (in %): KI-Infrastruktur treibt rund die Hälfte des erwarteten Gewinnwachstums im S&P 500

KI Infrastruktur.png

Quellen: Rothschild & Co, Bloomberg, 30.09.2026. S&P 500: Nach Marktkapitalisierung gewichteter US-Aktienindex mit 500 führenden börsennotierten Unternehmen. Aufgrund einer positiven Performance in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

 
Portfoliokommentar

Der September verlief an den Kapitalmärkten in zweierlei Hinsicht uneinheitlich. Während US-Aktien ihren positiven Trend (in Euro) fortsetzen konnten, verzeichneten europäische Aktien leichte Kursrückgänge. Aufgrund des hohen Gewichts US-amerikanischer Titel in globalen Aktienindizes entwickelten sich diese insgesamt dennoch positiv. Belastend wirkten im Berichtsmonat die teilweise deutlich gestiegenen Anleiherenditen, die in einigen Marktsegmenten Niveaus erreichten, die zuletzt vor der globalen Finanzkrise zu beobachten waren. Die Wertentwicklungen unserer Aktienstrategien profitierte insbesondere von der erfreulichen Entwicklung im Technologie- und Kommunikationssektor. Dämpfend wirkten dagegen vor allem die rückläufigen Notierungen im Finanzdienstleistungsbereich.

Unsere Rentenstrategien standen hingegen aufgrund des beschriebenen Renditeanstiegs unter Druck. Die im Vergleich zum Markt leicht längere Duration führte zu moderaten Kursrückgängen.

Sektorentwicklungen des Bloomberg World Large & Mid Cap Price Return Index im September 2026 (EUR)Sektorentwicklungen Bild.png

Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co, 31.08.2026 bis 30.09.2026. Der Bloomberg World Large & Mid Cap Price Return Index bildet rund 85 % der global investierbaren Aktienmarktkapitalisierung über Large- und Mid-Cap-Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Aufgrund einer positiven Performance in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

 
Vorlaufende Wirtschaftsindikatoren deuten auf eine Beschleunigung des Wachstums in den USA hin

Vorlaufende Wirtschaftsindikatoren.PNG

Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co, Stand: 30.09.2026. GDPNow-Index: Echtzeit-Schätzer für das aktuelle Wirtschaftswachstum der USA. US Composite PMI: Frühindikator für die US-Konjunktur, der die Geschäftsaktivität im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor zusammenfasst; Werte über 50 signalisieren Expansion, Werte unter 50 eine Abschwächung der Wirtschaftsaktivität

Kapitalmarktausblick und Positionierung        

Der starke Anstieg der Staatsanleiherenditen stand und steht weltweit im Fokus der Anleger. Renditen von über 5,5 % bei 30-jährigen US-Staatsanleihen markieren Niveaus, die zuletzt Anfang der 2000er-Jahre erreicht wurden. Gleichzeitig rentieren zehnjährige Bundesanleihen mit mehr als 3,6 % auf einem Niveau, das zuletzt vor der globalen Finanzkrise zu beobachten war. Diese Entwicklung hat die Diskussion über die Tragfähigkeit der hohen Staatsverschuldung neu entfacht. Wir halten diese Debatte jedoch für zu einseitig. Die gestiegenen Renditen lassen sich einerseits durch höhere Energiepreise, andererseits zunehmend durch verbesserte Konjunkturaussichten erklären.

Insbesondere vorlaufende Wirtschaftsindikatoren deuten auf eine Beschleunigung des Wachstums hin. In den USA erscheint daher ein Wirtschaftswachstum von rund 5 % möglich, während auch Deutschland trotz struktureller Herausforderungen Wachstumsraten von über 1 % erreichen könnte. Vor diesem Hintergrund sehen wir ein Marktumfeld, das grundsätzlich für Aktien spricht. Die Unternehmensgewinne steigen deutlich, wodurch sich die Bewertungsniveaus sowohl in den USA als auch in Europa spürbar attraktiver darstellen. Zu den Verlierern des Renditeanstiegs zählen hingegen Anleihen. Der Kapitalmarkt preist derzeit sowohl in den USA als auch in Europa bis Ende 2027 weitere Zinserhöhungen ein. Diese Erwartungen erscheinen uns jedoch ambitioniert.  Nach dem erneuten Renditeanstieg haben sich die Bewertungen von Anleihen deutlich verbessert, sodass wir das Chancen-Risiko-Verhältnis mittlerweile attraktiver einschätzen als noch vor einigen Monaten.

 

Fazit                                  

Im Herbst 2026 bewegen sich die Kapitalmärkte weiterhin im Spannungsfeld zwischen geopolitischen Risiken, steigenden Renditen und einem insgesamt konstruktiven makroökonomischen Umfeld. Aus unserer Sicht fokussieren sich Anleger derzeit zu stark auf mögliche Risiken und zu wenig auf positive Katalysatoren. Sollten sich die Wachstumsimpulse in den Konjunkturdaten bestätigen und zugleich Fortschritte im Konflikt zwischen den USA und dem Iran abzeichnen, sehen wir weiteres Potenzial für die Aktienmärkte. Auch Anleihen erscheinen nach dem deutlichen Ausverkauf wieder attraktiv: Die aktuellen Renditeniveaus bieten langfristig orientierten Anlegern aus unserer Sicht interessante Einstiegs- und Ertragschancen.

Wertentwicklung in EUR (Stand 30.09.2026)
Aktien (MSCI-Indizes)
Sep %
YTD %
Global 1,1 15,6
Europa, ex UK -2,6 9,8
USA 1,9 16,2
Schweiz -3,7 4,8
Japan 3,8 26,8
Schwellenländer Asien 2,2 31,1
Schwellenländer ohne Asien 2,2 -0,4


Anleihen
Rendite
Sep %
YTD %
DE 10 Jahre 3,58 -1,8 -3,1
US 10 Jahre 5,29 -1,0 -1,4
CH 10 Jahre 0,56 -1,2 -1,5
EU 10 Jahre 3,52 -2,5 -3,2

 

Währungen 
Kurs
Sep %
YTD %
EURUSD 1,13 -2,5 -3,5
EURGBP 0,85 -0,4 -2,0
EURCHF 0,95 0,8 1,7

 

Rohstoffe 
Kurs
Sep %
YTD %
Gold (€/Unze) 3670 -4,1 -0,2
Brent-Öl (€/Barrel) 91 14,4 70,1
Erdgas (€) 73 10,6 161,6

Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co.

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