Wealth Management: Märkte & Trends September
Robustes Wachstum trotz geopolitischer Spannungen
Die Spannungen im Nahen Osten bleiben hoch. Nachdem eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran Anfang Juli zusammengebrochen war, wurden die Angriffe zunächst wieder aufgenommen. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt, ohne dass bei den Verhandlungen nennenswerte Fortschritte erkennbar wären. Trotz der anhaltenden Unsi-cherheit zeigen sich Wirtschaft und Finanzmärkte bemerkenswert widerstandsfähig. Selbst schwerwiegende geopolitische Ereignisse wirken sich oft weniger stark auf die Märkte aus, als es die öffentliche Aufmerksamkeit vermuten lässt. Der Ölpreis (Brent) stieg infolge der Eskalation zeitweise von rund 70 auf 100 US-Dollar je Barrel, bevor er wieder auf etwas über 90 US-Dollar zurückfiel. Zwar befinden sich die Lagerbestände Berichten zufolge auf Mehrjahrestiefs und regionale Engpässe bei raffinierten Produkten machen sich bemerkbar, die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen bleiben bislang jedoch begrenzt.
Solide Konjunktur trägt die Märkte
Die wirtschaftliche Entwicklung präsentiert sich weiterhin robust. Jüngste Unternehmens-umfragen deuten auf eine leichte Beschleunigung der bereits soliden Wachstumsdynamik hin. Insbesondere in den USA deuten die aktuellen Wirtschaftsdaten auf ein überdurchschnittliches Wachstum hin, das vor allem von der privaten Nachfrage getragen wird. Sowohl die Konsumausgaben der Haushalte als auch die Investitionen der Unternehmen entwickeln sich positiv. Bemerkenswert ist dabei, dass Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben bislang weitgehend ohne zusätzliche Kreditaufnahme steigern konnten. Gleichzeitig nimmt der Ausbau von KI-Infrastrukturen weiter Fahrt auf. Der damit verbundene Kapitalbedarf dürfte ein wichtiger Grund dafür gewesen sein, dass die Anleiherenditen zuletzt gestiegen sind. Allerdings bleibt offen, wie nachhaltig und profitabel die derzeit aufgebauten Kapazitäten langfristig sein werden. Europa wächst traditionell moderater als die USA, nicht zuletzt aufgrund seines kleineren Technologie-sektors. Dennoch zeichnen die Unternehmensumfragen auch hier ein solides Bild. Zusätzlich könnten steigende Verteidigungsausgaben künftig neue Impulse setzen. China verliert zwar weiter etwas an Dynamik, wächst aber nach wie vor schneller als die meisten Industrieländer.
Zinsen bleiben voraussichtlich länger höher, die Volatilität begrenzt
Vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur dürfte die Kerninflation über den Zielwerten der Zentralbanken verharren. Zusammen mit dem hohen Finanzierungsbedarf für Zukunftsinvestitionen und einer vorsichtigen Geldpolitik spricht dies für zunächst weiterhin erhöhte Zinsen. Die derzeit eingepreisten Zinsschritte fallen zwar moderat aus, stehen jedoch im deutlichen Gegensatz zu den Zinssenkungserwartungen, die noch zu Jahresbeginn vorherrschten. Die Europäische Zentralbank hat die Geldpolitik bereits weiter gestrafft und könnte diesen Kurs fortsetzen. Die US-Notenbank und die Bank of England wirken derzeit etwas zurückhaltender. In den USA wird die Einschätzung zusätzlich dadurch erschwert, dass die Positionierung der neuen Fed-Führung und die laufende Überprüfung des geldpolitischen Rahmens noch nicht vollständig absehbar sind.
Trotz höherer Zinsen und geopolitischer Risiken zeigen sich die Aktienmärkte erstaunlich stabil. Das liegt vor allem daran, dass solides Wirtschaftswachstum und hohe Investitionen in Zukunftstechnologien die Unternehmensgewinne stützen. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht den von einigen Beobachtern befürchteten massiven Energieschock ausgelöst hat. Auch die zuletzt vielfach diskutierte Volatilität an den Anleihemärkten erscheint bei genauerem Hinsehen weniger dramatisch als häufig dargestellt. Insgesamt spricht das aktuelle Umfeld für eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums bei moderaten Marktschwankungen, auch wenn geopolitische Risiken und die Entwicklung der Zinsen aufmerksam beobachtet werden müssen.

Portfoliokommentar
Der August verlief für die Kapitalmärkte insgesamt positiv. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und weiter steigender Anleiherenditen konnten die globalen Aktienmärkte zulegen. Besonders gefragt waren Aktien aus den Sektoren Grundstoffe, Informationstechnologie und Gesundheitswesen, während zinssensitive Bereiche wie Versorger, Immobilien und Basiskonsumgüter unter Druck standen. In diesem konstruktiven Marktumfeld entwickelten sich unsere Aktienstrategien weitgehend auf dem Niveau vergleichbarer Indizes. Wesentlichen Anteil daran hatten unsere Positionierungen in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Industrie und Grundstoffe. Insbesondere Bankaktien profitierten von den gestiegenen Renditen.
An den Rentenmärkten belasteten die höheren Zinsen vor allem Anleihen mit längeren Laufzeiten. Unsere globale Rentenstrategie erwies sich jedoch als vergleichweise widerstandsfähiger, da inflationsgeschützte Anleihen sowie Unternehmensanleihen über verschiedene Bonitätssegmente hinweg eine deutlich bessere Entwicklung zeigten als nominale Staatsanleihen. Beide Segmente erscheinen aus unserer Sicht weiterhin attraktiv und sind entsprechend im Portfolio vertreten.


Kapitalmarktausblick und Positionierung
Die Kapitalmärkte bewegen sich weiterhin in einem Spannungsfeld aus erhöhten Inflationsraten, einem restriktiven geldpolitischen Umfeld und geopolitischen Risiken. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Dynamik insbesondere in den USA robust, während sich auch in Europa erste Stabilisierungstendenzen zeigen. So hat sich zuletzt die Stimmung in der deutschen Wirtschaft, gemessen am ifo-Geschäftsklimaindex, aufgehellt. Für die kommenden Monate erwarten wir weitere Zinsschritte.. Bei längerfristigen Anleihen sind die Renditen hingegen bereits deutlich gestiegen, sodass sich der Aufwärtsdruck abschwächen dürfte. Dafür sprechen stabile und vergleichsweise niedrige langfristige Inflationserwartungen. Dies schafft insgesamt ein günstigeres Umfeld für risikobehaftete Anlageklassen.
Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin Aktien aus den Bereichen Technologie, Finanzen und Industrie. Konsumnahe Titel beurteilen wir dagegen zurückhaltender. Im Anleihesegment bauen wir das Engagement in Unternehmensanleihen weiter aus und reduzieren im Gegenzug die Gewichtung nominaler Staatsanleihen.
Fazit
Die robuste Konjunktur und die weiterhin solide Gewinnentwicklung der Unternehmen bilden eine gute Grundlage für die Kapitalmärkte. Während US-Aktien von einem überdurchschnittlichen Wachstum profitieren, sprechen die deutlich günstigeren Bewertungen für eine weiterhin bedeutende Allokation europäischer Aktien. Nachhaltig steigende Renditen erscheinen derzeit wenig wahrscheinlich, da die langfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben und der jüngste Energiepreisanstieg überwiegend als temporär eingeschätzt wird.
Wertentwicklung in EUR (Stand 31.08.2026)
Aktien (MSCI-Indizes) |
Aug % |
YTD % |
|---|---|---|
| Global | 1,6 | 14,3 |
| Europa, ex UK | 0,7 | 12,7 |
| USA | 1,7 | 14,0 |
| Schweiz | -1,1 | 8,8 |
| Japan | 2,4 | 22,2 |
| Schwellenländer Asien | 2,4 | 28,3 |
| Schwellenländer ohne Asien | 2,2 | 2,6 |
Anleihen |
Rendite |
Aug % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| DE 10 Jahre | 3,32 | -0,7 | -1,3 |
| US 10 Jahre | 4,75 | -0,7 | -0,4 |
| CH 10 Jahre | 0,42 | 0,1 | -0,4 |
| EU 10 Jahre | 3,52 | -0,6 | -0,7 |
Währungen |
Kurs |
Aug % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| EURUSD | 1,16 | 0,8 | -1,1 |
| EURGBP | 0,86 | 0,3 | -1,6 |
| EURCHF | 0,94 | 0,9 | 0,9 |
Rohstoffe |
Kurs |
Aug % |
YTD % |
|---|---|---|---|
| Gold (€/Unze) | 3828 | 9,1 | 4,1 |
| Brent-Öl (€/Barrel) | 90 | 0,4 | 48,7 |
| Erdgas (€) | 66 | 11,1 | 136,6 |
Quelle: Bloomberg, Rothschild & Co.
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